Ich arbeite nicht, um Geld zu verdienen.
Ich verdiene Geld, um zu arbeiten.
Wir bewegen uns in ein Zeitalter, in dem in wenigen Jahren ein Großteil der ökonomisch wertvollen Arbeit von künstlicher Intelligenz und humanoider Robotik erledigt werden kann.
Wie wirst du deine Zeit verbringen, wenn die Notwendigkeit zur Arbeit von Maschinen abgenommen wird?
Das Problem mit dem Grundeinkommen
Massenarbeitslosigkeit ist eine reale Gefahr. Der bekannteste Mechanismus, um die Folgen abzufedern, heißt universelles Grundeinkommen.
Nach diesem Modell würde jeder Bürger monatlich eine Summe Geld erhalten,
um seinen finanziellen Bedarf zu decken.
Arbeiten muss dann niemand mehr.
Doch dieses Modell lässt eines außen vor: Arbeit dient zu weitaus mehr, als nur unsere Grundbedürfnisse zu befriedigen.
1943 hat der Psychologe Abraham Maslow das Modell aufgestellt, das wir heute als Bedürfnispyramide kennen. Sie ordnet menschliche Bedürfnisse hierarchisch an - die untersten müssen bedient sein, um sich den höheren zu widmen.
Wir brauchen als Menschen Geld, um unsere untersten Bedürfnisse - Nahrung, Wasser, ein Dach über dem Kopf - abdecken zu können.
Diese unteren Stufen lassen sich mit Geld bezahlen, also auch mit einem universellen Grundeinkommen.
Die oberen nicht.
Zugehörigkeit, Anerkennung, Selbstverwirklichung - das kann dir niemand überweisen.
Für viele Menschen ist ihre Arbeit, ihre Berufung, mehr als nur ein Mittel zum Zweck, um zu überleben.
Sie befriedigt direkt ihre höheren Bedürfnisse.
Warum Arbeit glücklich macht
Wir Menschen sind am glücklichsten, wenn wir voll und ganz in einer Aufgabe aufgehen - so weit, dass wir unser Gefühl von Raum und Zeit verlieren. Die Psychologie nennt diesen Zustand “Flow”.
Denke an einen Athleten in einem Wettkampf oder eine Musikerin bei einem Auftritt.
Sie denken nicht nach über ihren Alltag, sondern gehen voll und ganz in ihrer Kunst auf.
Der Psychologe Mihály Csíkszentmihályi, der den Begriff geprägt hat, wollte wissen, wann Menschen diesen Zustand erleben. Dafür hat er Berufstätige eine Woche lang mehrmals am Tag gefragt, was sie gerade tun und wie es ihnen dabei geht.
Das Ergebnis:
Im Flow waren sie bei der Arbeit deutlich häufiger als in der Freizeit.
Trotzdem wünschten sie sich gerade bei der Arbeit, lieber etwas anderes zu tun.
Wir unterschätzen, wie gut uns Arbeit tut.
Cal Newport, Autor der Bücher Deep Work und Slow Productivity, zieht daraus einen klaren Schluss: Die tiefe, konzentrierte Arbeit an schwierigen Problemen ist es, die zu Genugtuung und Zufriedenheit führt.
Das Zitat ganz oben stammt von dem Philosophen Matthew Crawford, den Newport in Deep Work zitiert.
Sich einer Arbeit zu widmen, die man persönlich gewählt hat, und darin Fortschritt zu erzielen, fühlt sich bedeutsam an. Hinzu kommt die Genugtuung, einen Beitrag für andere Menschen über seine Arbeit zu leisten.
Jeder Mensch möchte Teil einer Gemeinschaft sein, und der eigene Platz in dieser Gemeinschaft fühlt sich gerechtfertigt an, wenn man die eigenen Talente zum Vorteil seiner Mitmenschen zur Entfaltung bringen kann.
Die richtige Arbeit, ausgeführt auf die richtige Art und Weise, führt zu genau diesem Flow-Zustand.
Was ist die richtige Art der Arbeit? Eine, die du selbst gewählt hast, und in der deine Interessen, Vorlieben und Talente ideal zum Ausdruck kommen.
Wie führst du diese auf die richtige Art und Weise aus? Mit voller Konzentration, ohne Ablenkung und mit vollem Herzblut.
Ich arbeite, weil ich will, nicht weil ich muss
Mit Anfang 30 habe ich das Privileg, zu arbeiten, weil ich will, nicht weil ich muss.
Es ist zwar nicht so, dass ich in meiner finanziellen Situation nie wieder arbeiten müsste, um einen Lebensunterhalt zu verdienen. Doch Unabhängigkeit für zumindest einige Jahre habe ich bereits.
Für mich ist das genug, um Arbeit aus Notwendigkeit vollends loszulassen und ein verrücktes Experiment zu starten:
Nur noch aus Freude und Neugierde zu arbeiten.
Dahinter stehen 2 Thesen.
1) Freiheit von der Arbeit macht nicht glücklich.
Ja, ich könnte aktuell mit einigen wenigen Stunden Arbeit in der Woche mein Unternehmen erfolgreich führen. Den Rest der Zeit könnte ich reisen, Party machen und mich dem Hedonismus hingeben.
Viele erfolgreiche Unternehmer, die ich kenne, haben diesen Weg gewählt.
Persönlich entscheide ich mich dagegen.
Auf der einen Seite sehe ich es als gefährlich und ungesund an, sich ohne Limitationen seinen Impulsen hinzugeben. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Grundpfeiler eines gesunden & glücklichen Menschen - Gesundheit, Schlaf, Fitness, kognitive Fähigkeiten, innere Ruhe - darunter leiden, ist groß.
Auf der anderen Seite erfahre ich es als sehr bedeutsam, mich der Arbeit zu widmen.
Ich liebe es, wie es sich anfühlt, wenn meine Fähigkeiten gefordert werden und ich mich anstrengen muss, um sie zu entfalten. Dasselbe Gefühl erfahre ich im Sport, in intellektuellen Tätigkeiten ist es dasselbe.
Nachdem ich meine operative Verpflichtung im Unternehmen durch ein fantastisches Team nun auf ein Minimum reduziert habe, habe ich mich einer neuen Herausforderung angenommen: mein erstes Buch zu schreiben.
Dieses Ziel gibt meinem Tag Struktur und meinem Geist eine Herausforderung, auf die er sich jeden Tag freuen kann.
2) Wahrer Erfolg kann nur entstehen, wenn du etwas tust, hinter dem du mit vollem Herzen und ganzer Seele stehst.
Erfolg ist bestimmt durch Qualität, und die beste Qualität erzeugst du, wenn dich die Aufgabe wirklich bewegt.
In meinen frühen Zwanzigern habe ich gebrannt für Psychologie (bis heute unverändert).
Dann habe ich gebrannt für künstliche Intelligenz.
Danach für den Traum der Selbstständigkeit.
Dann für ein erfolgreiches Unternehmen & Team.
Und jetzt dafür, ein Buch zu schreiben.
Alles, was ich jemals aus wahrer Leidenschaft angegangen habe, hat funktioniert.
Was du auf der Liste nicht siehst, sind die unzähligen Dinge, die ich probiert habe, die kläglich gescheitert sind. Rückblickend ist mir klar, dass es daran lag, dass ich diese Dinge probiert habe, weil ich dachte, dass ich sie machen müsste, um erfolgreich zu sein.
Nicht, weil ich sie wirklich machen wollte.
Welche Arbeit ruft dich?
Wie ist es bei dir - spürst du eine echte Leidenschaft für dein “Handwerk”, deine Arbeit?
Wenn nicht, was ist stattdessen die Art von Arbeit, die dich im Herzen wirklich ruft?
Und was machst du gerade nur, weil du glaubst, es zu müssen?
Nimm dir am besten einmal 20 bis 30 Minuten mit Stift & Papier, oder gehe diesen Gedanken auf einem langen Spaziergang nach.
Solche Reflexionen können dir die nötige Klarheit liefern, die du brauchst, um den Weg einzuschlagen, der dich langfristig an dein Ziel führt.
KI als “Muse”
Die meisten, die diesen Newsletter lesen, wollen KI lernen.
Aber warum eigentlich?
Für die wenigsten ist es reiner Selbstzweck. Meist steht dahinter der Wunsch, damit die eigenen Lebensumstände zu verbessern. Mehr Zeit im Beruf, höheres Gehalt, erfolgreiche Selbstständigkeit und dadurch Freiheit und Unabhängigkeit.
Wenn KI dann die Arbeit erledigt, die man machen muss, bleibt die Arbeit, die man machen will. Das ist keine Bedrohung, das ist eine Einladung.
Wenn das universelle Grundeinkommen erstmal da ist, können wir alle uns nur noch Projekten widmen, bei denen unser Herz aufgeht.
Doch wann es kommt, weiß niemand.
Du musst auch nicht warten - du kannst schon heute damit anfangen, dir ein Leben in Freiheit zu erarbeiten: durch das richtige Geschäftsmodell.
Tim Ferriss hat dafür in Die 4-Stunden-Woche einen schönen Begriff geprägt: die Muse.
Gemeint ist ein kleines Geschäft, das dir Einkommen bringt, ohne viel von deiner Zeit zu fressen. Die Muse schenkt dir Freiheit.
In gewisser Weise ist mein Unternehmen heute meine Muse. Die Zeit, die es mir freiräumt, geht aber nicht in weniger Arbeit, sondern in eine andere: das Schreiben.
Eine gute Muse befreit dich nicht von der Arbeit.
Sie befreit dich für deine Arbeit.
Ein Mentor hat mir neulich gesagt:
Wir schreiben keine Bücher, um Geld zu verdienen.
Wir verdienen Geld, um Bücher zu schreiben.
Recht hat er.
Dein Garrit
