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Newsletter Nr. 17 · 13. Juli 2026 · 5 Min. Lesezeit

Künstliche Intelligenz braucht menschliche Weisheit

Garrit Wilson
Garrit WilsonGründer der KI-Pionier Akademie, Psychologe und Data Scientist
Kurz gesagt

Garrit argumentiert, dass wir vor allem mehr Weisheit brauchen, um die Macht von Werkzeugen wie künstlicher Intelligenz zu führen.

Er beschreibt einseitige Optimierung als ein Muster, das Zellen zu Krebs, Unternehmen zu ausgebeuteten Ökosystemen und Menschen zu Burnout führt.

Er praktiziert täglich ein bis zwei Stunden Meditation, um bewusster statt einseitig mit Technologie umzugehen.

Die Macht der Werkzeuge, die wir erschaffen, übersteigt unsere Weisheit, diese zu führen.

Dieser Newsletter ist etwas anders.

Ich werde dir kein Tech-Tutorial schreiben.
Du wirst auch nicht lernen, warum du ein KI-Betriebssystem bauen solltest (was stimmt).

Stattdessen werde ich mit dir teilen, warum wir meiner Meinung nach nicht mehr Intelligenz, sondern mehr Weisheit brauchen.

Wir brauchen nicht "mehr Intelligenz"

Wir brauchen auch als Menschheit nicht "mehr Geld".

Es existieren mehr als genug Ressourcen in der Welt, um jeden Menschen nicht nur zu versorgen, sondern ihnen fantastische Lebensumstände zu ermöglichen.

Das Problem sind nicht fehlende Ressourcen oder Geld.
Das Problem ist, wo dieses Geld hinfließt, bzw. wo diese Ressourcen konzentriert sind.

Dasselbe gilt für Intelligenz.

Die meisten Menschen sind "intelligent" genug.

Doch statt sich damit auseinanderzusetzen, wie und auf welche Ziele sie diese Intelligenz anwenden, verlieren sie sich darin, zu versuchen, immer mehr Wissen anzuhäufen.

Und zusätzlich zur menschlichen kommt jetzt auch noch die künstliche Intelligenz.

Es findet eine Intelligenzexplosion auf dem Planeten statt.

Doch auch hier stellt sich die Frage - wohin fließt sie?
Und mit welchen Auswirkungen?

In wessen Dienst steht das Werkzeug?

KI ist ein wahnsinnig mächtiges Werkzeug.
Das ist der menschliche Verstand auch.

Aber ein Werkzeug hat keine Richtung. Die Richtung, und damit die Wirkung, kommt von dir - dem Anwender.

Hier ist die Realität - die meisten Menschen richten ihre gesamte Intelligenz auf zwei Ziele:

Mehr Geld. Mehr Status.

Doch beides bringt ab einem gewissen Mindestniveau kaum Gewinn in Glück & Freude.
Die Forschung ist da ziemlich eindeutig: Bis zu einem soliden Lebensstandard macht Geld einen echten Unterschied, danach flacht die Kurve ab. Und trotzdem fließt fast unsere gesamte kollektive Energie genau dorthin, wo sie am wenigsten bewirkt.
Mit potenziell schädlichen Auswirkungen auf unser Umfeld.

Das ist das eigentliche Missverhältnis: Nicht zu wenig Intelligenz. Falsch investierte Intelligenz.

Was wir in dieser kritischen Periode brauchen, kollektiv wie individuell, sind nicht noch mächtigere Werkzeuge.

Sondern die Weisheit, sie zu führen.

Was Weisheit bedeutet

Weisheit ist die Kunst, Dinge ganzheitlich zu betrachten, und sein Handeln an dieser ganzheitlichen Perspektive auszurichten.

Das Gegenteil davon ist einseitige Optimierung.

Und einseitige Optimierung folgt immer demselben Muster, egal auf welcher Ebene du sie dir anschaust:

Eine Zelle, die nur noch wächst, ohne Rücksicht auf den Körper: Krebs.
Ein Unternehmen, das nur noch Profit maximiert: ausgebeutete Ökosysteme, soziale Entfremdung, Vermögens- & Machtkonzentration.
Ein Mensch, der nur noch auf das eigene Vorankommen optimiert: Stress, Krankheit, Burnout, Einsamkeit.

Das Muster ist immer dasselbe. Ein Teil optimiert sich auf Kosten des Ganzen.
Und zerstört damit am Ende das System, von dem er lebt.

Jetzt kommt KI dazu. Und KI ist ein Optimierungs-Verstärker.

Und macht einseitige Optimierung sogar noch schneller.

Viele Menschen arbeiten inzwischen von morgens bis abends mit KI. Das Ergebnis?

Gestresster denn je. Weniger Zeit. Weniger Kontakt zu den Menschen um sie herum. Das Werkzeug potenziert nicht nur ihre Arbeit. Es potenziert die Richtung, in die sie rennen. Wer aus Druck arbeitet, hat mit KI einfach mehr Druck pro Stunde.

Die Macht der Werkzeuge, die wir erschaffen, übersteigt unsere Weisheit, sie zu führen.

Das ist der eigentliche Engpass unserer Zeit.

Wie kultiviert man Weisheit?

Der Unterschied zwischen westlichem und östlichem Denken zeigt die Richtung.

Der Westen seziert: Er zerlegt die Welt in Teile und untersucht ihre Zusammenhänge. Daraus sind Wissenschaft und Technik entstanden.

Der Osten schult den Blick fürs Ganze: Der Taoismus etwa fragt nicht, woraus etwas besteht, sondern wie es sich in die Bewegung des Ganzen einfügt.

Wir brauchen beides. Aber das Zweite haben wir fast verlernt.

Die gute Nachricht: Das ist trainierbar, und zwar messbar.

Ein großer Teil unseres Alltags läuft in einem neuronalen Netzwerk ab, das aktiv ist, wenn wir um uns selbst kreisen: das Default Mode Network. Sorgen, Vergleiche, Pläne, das ewige Ich-Karussell.

Praktiken wie Meditation regulieren nachweislich genau dieses Netzwerk herunter. Die Wahrnehmung öffnet sich. Der Blick weitet sich vom Teil aufs Ganze.

Und aus dieser geweiteten Wahrnehmung heraus verändert sich, wie du Werkzeuge einsetzt. Nicht mehr im Tunnel. Sondern mit Blick auf das System, in dem du wirkst.

Wie ich das lebe

Alles, was ich hier teile, kommt aus eigener Erfahrung.

Ich befinde mich in einem Spannungsfeld.
Auf der einen Seite bin ich tief hingezogen zur Technologie und Unternehmertum, auf der anderen genauso tief zur Spiritualität und Philosophie.

Ich habe aufgehört, das als Widerspruch zu behandeln und arbeite daran, beides zu vereinen.

Technologie einsetzen - ja.
Unternehmen aufbauen - ja.
Aber mit dem höchstmöglichen Grad an Bewusstheit.

Praktisch heißt das für mich, dass ich 1 - 2 Stunden spirituelle Praxis am Tag ausführe.

Klingt nach viel Zeit, ist aber ein absolut notwendiges Fundament für mich.

Für dich müssen das keine zwei Stunden sein. Es reicht, einmal am Tag bewusst innezuhalten und dich zu fragen: Renne ich gerade, oder gehe ich?

Wer täglich mit KI arbeitet und gleichzeitig ein Unternehmen aufbaut, wird permanent in die Unbewusstheit gezogen. Ohne Fundament verliert man diesen Kampf, ohne es zu merken.

Wenn ich arbeite, arbeite ich konzentriert an einer Sache. Dazwischen kurze Pausen, zurück in den Moment.

Ja, das macht mich langsamer. Und genau das ist der Punkt: Ich mache weniger Dinge. Dafür aber die richtigen.

Effizienz heißt, die Dinge richtig tun. Effektivität heißt, die richtigen Dinge tun. Die meisten nutzen KI für mehr Effizienz - und rennen damit nur schneller in die falsche Richtung.

Meine Einladung an dich

Setze dich unbedingt mit KI auseinander.
Diese Technologie ist wahnsinnig spannend, fast magisch.
Und sie hat das Potenzial, bei richtiger Anwendung, deine Arbeit um ein vielfaches zu potenzieren.

Aber versuche gleichzeitig bewusst zu bleiben.
Verliere nicht den Wald vor lauter Bäumen aus den Augen.
Bleibe in Kontakt mit dir, und sei dir immer bewusst, für welches Ziel du die KI überhaupt einsetzt.

Und hinterfrage, ob dies wirklich dein eigenes Ziel ist, oder ob du getrieben einem Ziel hinterherrennst, das dir dein Verstand, dein Umfeld, oder Social Media vorgegeben hat.

Künstliche Intelligenz braucht menschliche Weisheit.

Dein Garrit

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