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Newsletter Nr. 11 · 8. Juni 2026 · 4 Min. Lesezeit

Die nächsten Jahre werden turbulent

Garrit Wilson
Garrit WilsonGründer der KI-Pionier Akademie, Psychologe und Data Scientist
Kurz gesagt

Garrit Wilson beschreibt die kommenden Jahre als turbulente Transition, in der sich Berufe, Geschäftsmodelle und Regeln neu sortieren.

Er erklärt, dass sowohl abwartende als auch hektisch agierende Menschen in dieser Phase verlieren, weil ihnen Fokus oder Anpassungsfähigkeit fehlt.

Garrit nennt drei Prinzipien als Kompass: KI für komplizierte Aufgaben, schnelle Lernschleifen statt starrer Pläne und ein anpassungsfähiges Geschäftsmodell.

Ich höre gerade einen Podcast mit Peter Diamandis und Salim Ismail, und ein Begriff blieb direkt bei mir hängen:

Die "turbulente Transition".

Die nächsten 2 bis 8 Jahre, in denen sich die Welt - wie wir sie kennen - neu sortiert.

Das ist keine Phase, die wir aussitzen können.
Keine, die nur Tech-Nerds im Silicon Valley betrifft.
Sondern ein systemischer Übergang.

KI ist eine allumfassende neue Grundlagentechnologie, mit weitreichenden Auswirkungen.

Berufe lösen sich auf, Geschäftsmodelle kippen, Spielregeln werden neu geschrieben - und das nicht in 30 Jahren, sondern in einem Zeitfenster, das uns unmittelbar bevorsteht.

Die Frage ist - bist du vorbereitet?

Es gibt zwei Lager, und beide verlieren

Wenn ich mich umschaue, sehe ich zwei Reaktionsmuster auf die anstehende Veränderung.

Die einen warten ab. "Es ist zu früh, das ist alles nur Hype, ich schaue erstmal weiter, wie sich das alles entwickelt."

Die anderen rennen kopflos los und machen einfach "irgendwas, hauptsache KI".
Jedes neue Tool, jedes neue Modell, jeder neue Trend wird sofort gekauft, ausprobiert, getestet, gepostet.
Aktivität als Beruhigungsmittel.

Meine Einschätzung:
Beide Lager verlieren in dieser Phase der Transition.

Die Wartenden, weil die Bewegung nicht aufhört.
Bis sie sich entscheiden, mitzumachen, ist die Welt schon woanders.
Und während sie warten, lernen die, die schon angefangen haben, in Lichtgeschwindigkeit dazu.

Die Hektischen verlieren, weil sie in alle Richtungen gleichzeitig optimieren wollen und dadurch Klarheit und langfristige Richtung aufopfern.
Ihnen fehlt der Fokus und die Tiefe in der Integration.

Nur Wandel ohne nachhaltige Stabilität funktioniert nicht, und tausende Tests in alle Richtungen führen zu zusammenhangslosen Insellösungen, statt zu einem ganzheitlich integrierten System.

Was diese Phase wirklich verlangt

Der österreichische Managementdenker Fredmund Malik hat schon vor 30 Jahren beschrieben, was Organisationen und Menschen in solchen Übergängen unterscheidet.

Sein Punkt, radikal vereinfacht, lautet:

"In Phasen tiefen Wandels gewinnt nicht, wer am schnellsten optimiert.
Sondern wer Komplexität nutzen kann, statt sie zu reduzieren."

Klingt erstmal abstrakt. In der Praxis heißt das:

Standardisierung, Effizienz und Spezialisierung waren die Werte der letzten Wirtschaftsphase. Sie haben funktioniert, weil sich die Umwelt langsam genug verändert hat. Wer effizient war, hat gewonnen.

Jetzt verändert sich die Umwelt schneller, als jedes optimierte System mithalten kann.

Wer in dieser Phase weiter auf reine Effizienz trimmt, baut sich eine Maschine, die genau eine Sache richtig gut kann - in einer Welt, die jede Woche neue Sachen verlangt.

Wer dagegen lernt, Komplexität zu navigieren und zu integrieren, statt zu vermeiden, geht aus dieser Phase mit etwas raus, das die Optimierer nie aufbauen werden:

Anpassungsfähigkeit.

Drei Prinzipien als Kompass

Aus den letzten Wochen, in denen ich viel über diese Phase nachgedacht habe, kristallisieren sich für mich drei Sätze heraus, die mir Orientierung geben.

Erstens: KI für das Komplizierte, Mensch für das Komplexe.

Komplizierte Probleme haben klare Strukturen. Sie sind reduzierbar, automatisierbar, an Maschinen abgebbar.

Komplexe Probleme haben offene Strukturen. Sie brauchen Urteil, Kontext, Erfahrung, Intuition.

Wer das durcheinanderwirft, automatisiert sich entweder selbst aus dem Wertschöpfungsspiel raus, oder versucht von Hand, was eine Maschine längst besser könnte.

Zweitens: Schnelle Lernschleifen schlagen perfekte Pläne.

Wer in einer turbulenten Phase einen 5-Jahres-Plan baut, plant für eine Welt, die es in 18 Monaten nicht mehr gibt.

Stattdessen: kurze Zyklen, schnelle Tests, ehrliches Feedback. Lernen wird zur Hauptarbeit. Pläne sind Arbeitshypothesen, keine Versprechen.

Drittens: Dein Geschäftsmodell muss atmen können.

Ein starres Geschäftsmodell ist in dieser Phase ein Risiko, kein Schutz.

Ich habe meines in den letzten Jahren mehrfach neu aufgestellt. Vom Prompt Engineering über die Automation-Agentur zur Lehre. Jedes Mal, weil sich der Markt unter mir verschoben hat, habe ich angepasst. Was mich getragen hat, war nicht das jeweilige Modell, sondern die Bereitschaft, es loszulassen, wenn es seine Zeit gehabt hatte.

Wo ich gerade stehe

Ich schreibe dir aus Berlin. Morgen geht es nach Brasilien, drei Monate.

Die KIPA positioniere ich gerade neu (dazu bald mehr).
Gleichzeitig starte ich ein weiteres Geschäftsmodell (den "KI-OS Accelerator") in dem ich Unternehmen beim Aufbau ihres eigenen KI-Betriebssystems begleite.

Der Schritt fühlt sich für mich richtig an, weil er genau das ist, was ich für die nächsten Jahre als entscheidend sehe. Die Fähigkeit, KI strukturell in dein Leben und dein Business zu integrieren - statt sie als Tool nebenher zu nutzen.

Ist die Repositionierung sicher der richtige Schritt? Weiß ich nicht.
Wird das neue Geschäftsmodell aufgehen? Auch nicht gegeben.

Ist alles, was ich tue, mein bester Versuch, die nächsten Jahre proaktiv zu navigieren? Definitiv.

Und das Wichtigste dabei - ich lasse mich bei diesen Entscheidungen nicht von einer KI leiten.
Sondern von meiner Intuition.

Mein Blick ist durchgehend nach vorne gerichtet, und ich filtere alles, was ich an Informationen beziehe, durch meine Erfahrung, um für mich ein inneres Modell der anstehenden Veränderung zu erstellen und mich proaktiv dazu zu positionieren.

Vorwärtsgewandtheit.
Tiefe Selbstkenntnis, um Entscheidungen zu treffen, die mit einem selbst im Einklang sind.
Und der Mut, neue Wege zu gehen.

Das ist, was die Gewinner der nächsten Jahre ausmachen wird.

Stelle dir mal diese Fragen

Bis zum nächsten Mal,

dein Garrit

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