Start / Newsletter / Was, wenn deine Lieblings-KI abgestellt wird?
Newsletter Nr. 21 · 24. August 2026 · 4 Min. Lesezeit

Was, wenn deine Lieblings-KI abgestellt wird?

Garrit Wilson
Garrit WilsonGründer der KI-Pionier Akademie, Psychologe und Data Scientist
Kurz gesagt

Wer seine gesamte Arbeit in einem einzelnen KI-Tool speichert, verliert sie unwiderruflich, wenn der Anbieter den Dienst einstellt.

Ein Kunde erlebte das, als Manus nach der gescheiterten Übernahme durch Meta abgeschaltet wurde und Chatverläufe aus neun Monaten Arbeit gelöscht wurden.

Garrit speichert seine Arbeit stattdessen in eigenen Textdateien und gibt der KI nur die Daten, die für die jeweilige Aufgabe nötig sind.

"ich arbeite seit Monaten täglich in Manus, und am 23.08. wird einfach alles gelöscht werden!
Was soll ich nur machen?"

Der Satz kommt von einem Kunden eines unserer KIPA-Mitglieder.

Erst vor Kurzem habe ich hier etwas geschrieben, das damals wie eine theoretische Warnung klang:

"Wenn einer dieser beliebten KI-Anbieter irgendwann einfach den Dienst abschaltet oder pleitegeht, sind deine Daten von einem Tag auf den anderen weg."

Jetzt ist es passiert.

Neun Monate Arbeit, und der Stecker wird gezogen

Sein Kunde hatte fast ein Jahr lang mit einem KI-Dienst gearbeitet, dem populären Agenten "Manus".

Recherche, Entwürfe, Gedanken, ganze Kapitel für ein Buch, das er schreibt.
Alles lag dort in verschiedenen Chatverläufen.

Dann kam die Nachricht, dass alle seine Daten gelöscht werden. Mit ein paar Tagen Vorlauf.

Der Hintergrund: Meta hat Manus Ende Dezember für rund zwei Milliarden Dollar übernommen.
Im April hat die chinesische Regulierungsbehörde die Übernahme untersagt und die Rückabwicklung angeordnet. Begründung: Man wollte keine strategisch wichtige KI-Technologie in die USA abfließen lassen.

Die Folge für die Nutzer: Alles, was seit dem Übernahmestichtag am 29. Dezember entstanden ist, wird gelöscht. Wer es behalten will, muss es vorher selbst sichern.

Und die Kunden?

Standen ratlos da.

Ja, es gab eine Export-Funktion. Die zog einen Teil der Dateien.
Was sie nicht zog, war der Verlauf selbst. Und genau da lag das Wertvolle: die Formulierungen, die im Gespräch entstanden waren. Die Stellen, an denen es plötzlich klickte.

Niemand liest neun Monate Chatverlauf noch einmal durch, um die guten Sätze zu suchen.
Und selbst wenn er es täte, hätte er kein Format, in dem er sie behalten könnte.

Es gibt technische Wege, wie man an die Daten noch kommen kann - die habe ich in dem Call geteilt. Aber nur unter erheblichem Mehraufwand.

Was mir aber viel wichtiger war, war dass die Ursache für das Problem viel tiefer lag.

Der eigentliche Fehler ist nicht in den letzten Tagen passiert

... sondern schon vor neun Monaten.

An dem Tag, an dem die Entscheidung fiel, seine gesamte Arbeit mit KI in einem Tool zu haben, das jemand anderem gehört.

Der Kunde selbst kann nichts dafür.

Und wenn wir ehrlich sind - bei vielen, die diesen Newsletter hier lesen, wird es dasselbe sein.
Vielleicht nicht mit Manus, vielleicht mit Claude oder ChatGPT.
Aber das Problem ist dasselbe.

Die Ursache dafür?
Es wird einfach in der Öffentlichkeit keine Alternative kommuniziert.

Aber die gibt es.

Was ich stattdessen mache

Meine gesamte Arbeit liegt in Textdateien auf meinem eigenen Rechner.
Meine Strategie, meine Zahlen, meine Projekte, meine Notizen, Chatverläufe, Call-Transkripte, alles.

Kein Anbieter kann sie mir wegnehmen, weil kein Anbieter sie hat.

Die KI binde ich dann in meine Daten ein.
Aber nicht wahllos.

Sondern gezielt.

Ich schicke nur solche Daten an die KI, die gerade für die Erledigung der Aufgabe benötigt werden. Alles andere behalte ich bei mir.

Das Prinzip lautet - "so viel wie nötig, so wenig wie möglich."

Und das Beste?

Ich bin unabhängig vom einzelnen KI-Anbieter.
Persönlich arbeite ich gerne mit Claude, aber wenn Anthropic (das Unternehmen dahinter) morgen pleite geht, mache ich nahtlos weiter mit einem anderen KI-Modell.

Genau das meine ich, wenn ich von einem KI-Betriebssystem spreche.
Es ist kein Tool-Stack.

Es ist die Umkehrung der Besitzverhältnisse.

Vorher: Deine Arbeit liegt im Tool eines Konzerns, und du mietest den Zugang.

Nachher: Deine Arbeit liegt bei dir, und die Konzerne bewerben sich darum, sie bearbeiten zu dürfen.

Das ist derselbe Rollenwechsel, über den ich immer wieder schreibe.

Du bist nicht mehr der Anwender, der ein fertiges Produkt bedient.
Du bist der Architekt, der vorgibt, wo was liegt und wer daran darf.

Der Test, der zwei Minuten dauert

Beantworte für dich eine einzige Frage:

Wenn dein wichtigstes KI-Werkzeug morgen früh nicht mehr da wäre, was von deiner Arbeit verlierst du dann unwiderruflich?

Das ist deine Abhängigkeit.

Wenn die Antwort "nichts" lautet, bist du sauber aufgestellt.
Dann kannst du hier aufhören zu lesen.

Wenn du bei der Antwort kurz schlucken musst, dann hast du gerade herausgefunden, wo dein System eine offene Flanke hat. Und zwar jetzt, in Ruhe, und nicht erst mit drei Tagen Vorlauf.

Dein Garrit

Newsletter

Der Newsletter von Garrit

Garrit schreibt darüber, was KI mit Arbeit, Unternehmen und uns Menschen macht. Neue Ausgaben kommen regelmäßig per Mail.

Du bekommst eine Mail zur Bestätigung. Abmelden geht über den Link in jeder Ausgabe. Datenschutz

Weiterlesen

Alle Ausgaben →