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Newsletter Nr. 26 · 28. September 2026 · 7 Min. Lesezeit

4 Jahre ortsunabhängig

Garrit Wilson
Garrit WilsonGründer der KI-Pionier Akademie, Psychologe und Data Scientist
Kurz gesagt

Garrit lebt seit knapp vier Jahren ortsunabhängig und beschreibt die Vor- und Nachteile dieses Lebensstils.

Als Vorteile nennt er Flexibilität, Weltoffenheit und die Möglichkeit, gefährliche Regionen schnell zu verlassen, als Nachteile fehlende soziale Stabilität und schlechtere Infrastruktur.

Er rät, vor dem Start zuerst ein finanzielles Fundament durch eine erfolgreiche Selbstständigkeit aufzubauen.

Diese Worte hier schreibe ich zwischen Palmen in Tulum in Mexiko. Seit 4 Tagen bin ich hier. In 4 Wochen geht es zurück nach Europa und dann 3 Wochen später nach Bali.

Seit knapp 4 Jahren bin ich komplett ortsunabhängig.
Alles, was ich besitze, passt in 2 Koffer.
Im Schnitt bin ich in 8-12 Ländern pro Jahr.

Viele Mitglieder der KIPA haben genau dieses Ziel, deswegen kläre ich dich hier über die Realität dieses Lebensstils auf, falls es auch dich zum Abenteuer ruft.

Warum ortsunabhängig?

Vor 4 Jahren warf ich alles über den Haufen. Die Anstellung, das feste Gehalt, die Wohnung. Alles, was Struktur und Sicherheit bedeutete, ließ ich los.

Warum?

Der Drang nach Freiheit war endlich stärker geworden als die Angst vor der Unsicherheit, sie zu verfolgen.

Ich machte mich selbstständig und verließ Deutschland. Seitdem durfte ich eine fantastische Reise durchlaufen - sowohl wortwörtlich als auch metaphorisch.

Wie ist es so, ortsunabhängig zu leben?

Was mich damals reizte, diesen Schritt zu wagen, war die Lust auf Unabhängigkeit, die Freiheit, mich dort aufzuhalten, wo ich will, wann ich will. Und natürlich die Vorzüge, die andere Länder zu bieten haben, wie exotische Kultur, Wetter und Küche.

Die Realität ist natürlich, dass jeder Lebensstil seine Vor- und Nachteile hat. Hier sind die wichtigsten, die ich selbst erlebt habe:

Vorteile der Ortsunabhängigkeit
Das erste ist natürlich die Flexibilität, in jedem Land dieser Welt Zeit verbringen und von dort aus arbeiten zu können. Ich liebe zum Beispiel tropisches Klima und kann jetzt viel Zeit in Ländern wie Mexiko verbringen.

Ein weiterer Vorteil ist die Weltoffenheit. „Reisen bildet“, sagt ein bekanntes Sprichwort, und das würde ich unterschreiben.
Hautnah zu erleben, wie der Großteil der Welt lebt, macht mich dankbar für die Stabilität und den Wohlstand, den wir als Deutsche erfahren dürfen. Und der Austausch mit Menschen aus anderen Kulturen, mit ihrer Mentalität und ihrem Weltbild, ist wahnsinnig spannend.

Dazu kommt: Als Ortsunabhängige können wir eine potenziell gefährliche Region im Ernstfall schnell verlassen. Im 21. Jahrhundert haben wir wieder Kriegsfronten in Europa, und wer weiß, was noch alles passiert.

Der mit Abstand größte Vorteil ist und bleibt aber wohl das Gefühl der Unabhängigkeit und der Freiheit, das sich einstellt, wenn du dich morgen entscheiden kannst, deine Koffer zu packen und in ein anderes Land zu reisen.

Nachteile der Ortsunabhängigkeit

Nur weil du viel reisen gehst, heißt das nicht, dass das Leben dadurch zu einer dauerhaften Instagram-Story wird.
Nicht alles, was glänzt, ist Gold.

Der größte Nachteil ist meiner Meinung nach die fehlende Stabilität im sozialen Umfeld. Ja - man kann beim Reisen viele nette Menschen kennenlernen. Doch wenn man alle paar Wochen oder Monate das Land wechselt, besteht nicht die Möglichkeit, wirklich tiefe Beziehungen und Bindungen zu Menschen aufzubauen. Zudem hat man weniger Kontakt und gemeinsame Zeit mit der Familie, die ja in vielen Fällen in Deutschland zurückbleibt. Meine Eltern sowie Geschwister beispielsweise leben in Deutschland, und ich sehe sie aktuell leider nur ca. 3-4x im Jahr.

Ein weiterer Nachteil ist die häufig schlechte Infrastruktur und potenziell schlechtere Lebensmittelqualität in anderen Ländern.
Deutschland ist eines der wohlhabendsten Länder dieser Welt. Viele Länder, in die man reist, haben bei Infrastruktur und Versorgung nicht denselben Standard. Probleme mit Transport, schlechte Wasserqualität, Lebensmittelvergiftungen - all das sind reale Situationen, mit denen man sich konfrontiert sehen kann.
Das hängt natürlich davon ab, in welche Länder man reist und wie gut man sich vorbereitet und plant. Nichtsdestotrotz sind es Realitäten dieses Lebensstils.

Ein weiterer Nachteil, wenn man ihn so sehen möchte, ist fehlende Stabilität in der Umgebung und Wohnsituation. Wenn du so lebst, muss dir klar sein, dass du kein eigenes „Zuhause“ mehr hast, d. h. dass du die Räumlichkeiten, in denen du lebst, immer wieder verlassen wirst - egal, wie gut sie dir gefallen.
Für mich persönlich ist das sogar ein Pluspunkt, weil ich die Abwechslung mag, aber viele Menschen brauchen ihre eigenen 4 Wände, um sich wohlzufühlen, deswegen führe ich es hier auf.

Würde ich dir die Ortsunabhängigkeit empfehlen?

Die langweilige (aber ehrliche) Antwort lautet - es hängt davon ab.

Erstens hängt es von dir als Person ab.
Wenn du jemand bist, der Stabilität und Routine bevorzugt und Dinge vorhersagbar mag, dann ist dieser Lebensstil vermutlich nichts für dich. Wenn dir die Zeit mit und Nähe zu deiner Familie sehr wichtig ist, dann wird das Auswandern vermutlich nichts für dich sein.
Wenn du auf der anderen Seite abenteuerlustig bist und das Unvorhersehbare und Unbekannte magst (so wie ich; meine Lieblingsphase sind meistens die ersten 1-2 Wochen an einem wildfremden Ort, bevor ich mich dort auskenne), und es für dich okay ist, deine guten Freunde und Familie weniger regelmäßig zu sehen - zumindest zeitweise - dann kann dieser Lebensstil gut zu dir passen.

Zweitens hängt es von deiner aktuellen Lebensphase ab.
Ein großer Grund dafür, dass ich aktuell so lebe, ist der, dass ich noch keine eigene Familie und Kinder habe. Außerdem sind meine Eltern noch gesund, munter und tatkräftig. Mir ist sehr wohl bewusst, dass es nie wieder so einfach sein wird, diesen Lebensstil zu leben. Mit eigenen Kindern oder Eltern im fortgeschrittenen Alter wird die eigene Zeiteinteilung nicht mehr nur von dir selbst bestimmt, weil sich Verantwortlichkeiten auftun.
Wenn du in einer solchen Situation bist, solltest du dich fragen, ob dieser Lebensstil von Unabhängigkeit sich gut mit deinen Verpflichtungen vereinbaren lässt.

Drittens hängt es von deiner wirtschaftlichen und finanziellen Situation ab. Mehr dazu im nächsten Abschnitt.

Worauf du achten solltest

Mein Eindruck aus fast 4 Jahren unterwegs: Ein großer Teil der digitalen Nomaden lebt am Existenzminimum.

Es ist auch nachvollziehbar: Die meisten, die so leben wollen, wollen die Welt erkunden. Viel reisen, Abenteuer erleben, das Leben auf sich zukommen lassen.
Der Fokus liegt in dem Fall überall, außer im Bereich Karriereentwicklung oder Aufbau einer erfolgreichen Selbstständigkeit. Hinzu kommt, dass viele von ihnen viel Zeit in Ländern verbringen, die im Vergleich zu Deutschland ohnehin wahnsinnig günstig sind (Thailand, Bali und Lateinamerika sind beliebte Ziele), und dementsprechend wenig Notwendigkeit für finanziellen Erfolg besteht.

Ich bin es anders angegangen, und das würde ich dir auch empfehlen. Die ersten 3 Jahre meiner Ortsunabhängigkeit habe ich 80-90 % meiner Energie in den Aufbau meiner Selbstständigkeit investiert. Ich habe teilweise Wochen in einem Land verbracht und am Ende nichts gesehen außer meiner Wohnung, dem Gym und dem Supermarkt. Trotzdem bin ich froh, es so gemacht zu haben.

Warum?

Ja - ich habe vielleicht weniger erlebt als andere digitale Nomaden. Dafür bin ich nun nach knapp 4 Jahren in der Selbstständigkeit an einem fantastischen Punkt im Bereich meiner finanziellen Unabhängigkeit angekommen, mit einem erfolgreichen Unternehmen, das mittlerweile (dank meinem fantastischen Team) stark losgelöst von meiner Zeit funktioniert.

Heute kann ich es mir erlauben, ohne Probleme und schlechtes Gewissen wirklich zu reisen, diesen Lebensstil zu genießen und genau das zu tun, was ich tun will. In der Gewissheit, dass nicht nur mein kurzfristiges Überleben gesichert ist (ein Fakt, den nicht jeder digitale Nomade so erlebt), sondern auch meine finanzielle Zukunft durch diverse Investments.

Wenn ich dir also einen Rat geben darf - die richtige Balance zwischen Arbeit und Lebensstil zu finden, ist sehr wichtig.

Persönlich würde ich immer empfehlen, dir zuerst ein stabiles Fundament in der finanziellen Gesundheit durch eine erfolgreiche Selbstständigkeit (die dir am besten Spaß macht) aufzubauen.
Bei mir hat es gut 3 Jahre gedauert, bis meine Selbstständigkeit so erfolgreich lief, dass ich mit sehr viel weniger Zeitaufwand trotzdem sehr gutes Geld verdienen konnte.

Wenn du ortsunabhängig sein willst ...

… fang damit an, dir Gedanken über das Vehikel zu machen, das es dir erlauben wird, diesen Lebensstil zu genießen.

Wenn du einfach reinspringst, ohne eine Idee, wie du Geld verdienen sollst, wirst du es nicht genießen können. Entweder weil du dann Arbeit annehmen musst, die dir keinen Spaß macht, um zu überleben, oder weil du dir ständig Sorgen um deine finanzielle Situation machst.

Natürlich musst du nicht bereits finanziell unabhängig sein, um diesen Lebensstil zu starten, aber du solltest eine Idee davon haben, wie du ihn finanzieren kannst.

Und dann würde ich dir empfehlen, dich mit Menschen auszutauschen, die schon so leben.
Bevor ich mich aus Deutschland abgemeldet habe, habe ich aus meinem erweiterten Netzwerk mit 4 Leuten telefoniert, die bereits ortsunabhängig waren. Aus diesen Gesprächen ist sehr viel Klarheit entstanden, und ich habe einige super wertvolle Tipps erhalten, was ich machen muss, bevor ich mich aus Deutschland abmelde.

Schlusswort

Ich habe versucht, dir hier ein ganzheitliches Bild über diesen Lebensstil zu vermitteln, aber natürlich ist dieses Bild hier gefärbt durch meine Erfahrung und Perspektive.

Persönlich bin ich wahnsinnig dankbar dafür, heute so leben und arbeiten zu können. Es ist ein Lebenstraum, der in Erfüllung gegangen ist.

Wenn du auch diesen Weg gehen willst - ich kann dich nur ermutigen. Und wenn du es wirklich willst, dann findest du einen Weg, so wie ich es auch getan habe.

Beste Grüße

Dein Garrit

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